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Stressbewältigung im Alltag (1)

Vor einiger Zeit bin ich Mutter eines Sohnes geworden. Damit einher sind natürlich viele Veränderungen im Alltag gekommen und auch eine Menge neuer Herausforderungen. Der Versuch alles unter einen Hut zu bringen – Zeit mit meinem Sohn verbringen, den Haushalt und die Einkäufe erledigen und dann noch die Verfolgung meiner beruflichen Ziele und Ideen – hat mich ganz schön ins Schwitzen gebracht. Vielleicht kommt Ihnen das ja auch bekannt vor und Sie sehen sich vor ganz ähnlichen Schwierigkeiten? Man möchte alles schaffen und hat dennoch immer das Gefühl, dass etwas auf der Strecke bleibt. Die Supermutter sein, die alles kann oder die Powerfrau, die neben Beruf und Familie so ganz lapidar auch noch eine Dinnerparty schmeißt.

 

Auch in meine Praxis kommen viele KlientInnen mit unterschiedlichen Symptomen, die bei genauerer Betrachtung auf den massiven Stress im Alltagsleben zurückzuführen sind. Solche Symptome oder auch Signale können etwa Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Verspannungen, ein beeinträchtigtes Immunsystem und vieles andere mehr sein.

 

Stress ist dabei nicht immer nur auf die äußeren Faktoren, wie z.B. viele Termine, Deadlines oder Zeitstress zurückzuführen. Auch interne Faktoren, wie z.B. die eigenen Erwartungen an sich selbst, die Einstellungen und Werthaltungen spielen eine große Rolle. Sie führen dazu, dass man sich selbst noch weiter unter Druck setzt und Stress erzeugt. In meinem Fall wäre das die Anforderung an mich selbst, alles schaffen zu müssen.

 

Wenn man nun diese Signale (die sogenannte Stressreaktion) an sich wahrnimmt, was kann man tun? Ein rechtzeitiges Einlenken und bewusstes Gegensteuern sind wichtig, um schwerwiegenderen Erkrankungen vorzubeugen.

 

Beginnen Sie zunächst einmal sich bewusst zu beobachten:

  • Welche Situationen lösen bei mir ein Stressgefühl aus?
  • Wie reagiere ich dann? Eher emotional oder körperlich?
  • Welche Gedanken gehen damit einher?
  • Verstärke ich mein Stressempfinden vielleicht durch die Erwartungen, die ich nur selbst an mich stelle?
  • Wer verlangt das von mir?

Vielleicht notieren Sie sich Ihre Beobachtungen, um dann in einer ruhigen Minute zu reflektieren und zu überlegen, wo Sie etwas ändern können.

 

Sie können auch ein sogenanntes Stressradar (1) zeichnen, um einen besseren Überblick über die äußeren Stressoren (Stressfaktoren) zu bekommen: In der Mitte stehen Sie selbst. Rundherum zeichnen Sie nun alles ein, was bei Ihnen Stress auslöst. Je näher zur Mitte, desto stärker beeinflusst Sie dieser Faktor, je weiter weg, desto weniger Einfluss hat er auf Sie. Je größer Sie einen Faktor einzeichnen, desto intensiver erleben Sie ihn. Wenn sich verschiedene Faktoren überlappen, dann stehen diese miteinander in Konflikt.

 

In einem nächsten Schritt überlegen Sie, wo Sie etwas verändern können. Vielleicht können Sie Aufgaben abgeben, Stunden in der Arbeit reduzieren, die Großeltern zum Babysitten einbinden etc.

 

Versuchen Sie dabei auch Ihre Anforderungen an sich zu überdenken. Häufig sind tief- sitzende Glaubenssätze verantwortlich für Erwartungen, Leistungsanforderungen und Einstellungen zu uns selbst (z.B. Ich muss perfekt sein à meine Wohnung muss immer blitz-blank sauber sein.) Diese zu verändern kann mitunter langwierig sein. Wir fühlen uns in unseren Mustern gefangen und denken (und in weiterer Folge agieren) ganz automatisch in ähnlichen Situationen immer wieder so.

 

Es kann daher auch sinnvoll sein, die eigenen stressvermehrenden Einstellungen und Glaubenssätze im Rahmen eines Coachings zu reflektieren und gemeinsam mögliche Wege der Veränderung einzuleiten.

 

Auch ich selbst setze mich immer wieder damit auseinander, wo die Anforderungen, die ich an mich selbst stelle, in mein Stresserleben eingreifen bzw. wo ich in meinem Alltag Veränderungen benötige. So kann es gelingen, doch alles unter einen Hut zu bringen, zumindest die Dinge, die ab sofort von mir als Priorität gewertet werden (der Haushalt kann auch eine Weile mal hintenangestellt werden).

 

Beispiel für ein Stressradar:

(1) Quelle: Eismann & Lammers: Therapie-Tools Emotionsregulation. Beltz, 2017